Konzeption

Pädagogisches Konzept

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Integrierter Waldkindergarten „WALDMÄUSE“

Vorbemerkung

„Die alten Dakota waren weise.
Sie wussten, dass das Herz des Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird;
sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben lässt.
Deshalb war der Einfluss der Natur, die den jungen Menschen feinfühlig macht, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“

– Luther Standing Bear
(Recheis/Bydlinski: Weißt du, dass die Bäume reden? Freiburg 1985, z.n. Kalff, Michael 1994, S.1

 
 
Anstelle eines wortreichen Konzeptes soll hier unser ABC einen kleinen Einblick in unseren waldpädagogischen Alltag geben.

WALDMÄUSE ABC

Anfang

Aller Anfang ist schwer. Manche Kinder finden sich ganz einfach ein, andere leiden unter großem Trennungsschmerz. Das sollte kein Grund zu Besorgnis sein; denn schließlich hat uns die Natur mit der gesunden Fähigkeit ausgestattet, uns an jemand anderen zu binden – für Kinder überlebenswichtig. Die Bindung zu den Eltern bleibt ja auch bestehen, es muss nur eine neue aufgebaut werden. Abhilfe kann man nur schaffen durch geduldiges Reden und Erklären, warum es in den Kindergarten geht. Den Rest besorgt die Gewöhnung, zu der wir glücklicherweise auch fähig sind.

Allergien

Darüber müssen Erzieher unbedingt informiert werden.

Aufsichtspflicht

Während der Aufenthaltsdauer wird diese von den Eltern/Bezugspersonen auf die ErzieherInnen übertragen. Darum gib Bescheid, wenn du kommst und sage Auf Wiedersehen, wenn du gehst! Nur dann wissen wir Bescheid.

Beschwerden

Wir freuen uns über eine offene Atmosphäre und hoffen, entstehende Konflikte schnell klären zu können. Dabei helfen andere Eltern, die Elternvertreter, die Leitung oder auch der Vorstand.

Bollerwagen

Den haben wir fast immer dabei. Darin befinden sich Wasser zum Händewaschen, Sitzkissen, Werkzeug, Wechselkleidung, Mülltüten, 1.-Hilfe-Set und anderes mehr.

Charakter

Jeder Mensch hat einen, und der ist geprägt von Stärken und Schwächen. Deshalb nehmen wir Kinder und Eltern zunächst so an, wie sie sind. In der Zeit unserer Zusammenarbeit lernen wir immer besser, miteinander umzugehen.

Demokratie

Kinder und Eltern haben bei uns die Möglichkeit, sich in demokratischen Verhaltensweisen zu üben. Das praktizieren Vereine und Elterninitiativen sicherlich intensiver als andere, dabei ist die Beteiligung von Kindern und Eltern grundsätzlich vorgeschrieben, und zwar im Bundesgesetz, im Landesgesetz und im Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Tagespflege.

Elternarbeit

sagte man früher, heute spricht man von Zusammenarbeit mit Eltern oder Erziehungspartnerschaft. Diese ist auch deshalb angesagt, weil vielfach festgestellt wurde, dass jegliche Erziehungsarbeit um ein Vielfaches erfolgreicher ist, wenn Pädagogen und Eltern an einem Strang ziehen.

Elterncafé

Ein Ort für Eltern, an dem sie sich treffen und austauschen können, wann sie wollen. Die Einrichtung dieses Raumes für Eltern wurde vor über 10 Jahren von der Heinz-und-Heide-Dürr-Stiftung gefördert, die sich besonders für die Zusammenarbeit mit Eltern in Kitas und Familienzentren engagiert.

Elterndienste

sind Hilfen von Seiten der Eltern in der Kita. Das kann der Beitrag zur Mittagsversorgung sein, eine Begleitung beim Waldgang, der Wäschedienst am Ende der Woche und vieles andere mehr. Im Jahr müssen 25 Stunden Elternmitarbeit pro Kind erbracht werden.

Elterngespräch

Darum baten Pädagogen früher, und dann zuckten die Eltern oftmals zusammen, weil sie Unangenehmes befürchteten. Heute werden Entwicklungsgespräche geführt, und zwar zweimal im Jahr mindestens und das soll für beide Seiten möglichst angenehm sein.

Essen

muss der Mensch, und zum Glück haben wir eine Köchin. So erfahren die Kinder Tag für Tag, wo das Essen herkommt und wie es auf den Tisch gelangt.

Feste

feiern wir, wie sie fallen. Da wären neben all den Geburtstagen noch das Sommerfest als eine Art DANKESCHÖN an alle Familien, das Laternenfest mit großem Feuer, die Weihnachtsfeier und das Neptunfest, an dem wir die Schulkinder verabschieden.


Frühstück

Eine wichtige Mahlzeit, die gesund sein sollte und bei der wir keinen Süßkram sehen wollen.

Fuchsbandwurm

Das ist eine wahrscheinlich weniger häufig vorkommende Gefahr, als jahrelang vermutet. Das jedenfalls sagen die Forstfachleute und Tierschützer, die regelmäßig Füchse untersuchen. Eine Kontroll-Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine Tätigkeit in der Landwirtschaft und Hundebesitz die größten Risikofaktoren sind, um sich mit den infektiösen Eiern des Fuchsbandwurms anzustecken.

Geburtstag

In unserer Kultur ein wichtiges Fest für jeden. Wer Geburtstag hat, wird auch bei uns gefeiert und darf sich an dem Tag so Manches aussuchen. Aber den Geburtstagskuchen bringt das Geburtstagskind in der Regel selber mit.


Getränke

Trinken ist wichtig. Wir bevorzugen Wasser. Das löscht den Durst, ist gesund, macht keine Flecken und zieht keine Wespen an.

Handschuhe

Im Winter unerlässlich. Allerdings zeigen sich auch schon bei den Kleinsten große Unterschiede in der Wärmeversorgung. Es gibt eben Menschen, die brauchen die Handschuhe mehr als andere. Am besten hat man zwei Paar (oder mehr).

Handy

ist praktisch und sorgt dafür, dass wir eigentlich stets erreichbar sind. Auch von den Eltern brauchen wir die Handynummern, damit sie im Notfall zu erreichen sind.

Infos

notieren wir an unserer großen Infotafel im Flur zu den Gruppenräumen.

Infektionen

müssen wir ernst nehmen. Dafür gibt es das Infektionsschutzgesetz, das alles regelt. Manche Infektionen müssen von der Kitaleitung dem Gesundheitsamt gemeldet werden.


Impfen

Impfungen haben dafür gesorgt, dass die Menschen so manche Infektionswelle stoppen konnten. Da es aber (außer seit März 2020 für Masern) keine Impfpflicht gibt, müssen Eltern selber entscheiden, ob und wogegen sie ihre Kinder impfen lassen wollen. Wir Mitarbeiter lassen uns impfen, vor allem gegen Tetanus. Das ist in unseren Augen für Menschen, die so viel und so regelmäßig wie wir draußen aktiv sind, unverzichtbar.

Jammern

sorgt für emotionale Entlastung und ist, wenn es nur ab und zu stattfindet, vermutlich gesund.

Krank

Kranksein gehört zum Menschen dazu. Wir sind immer etwas krank und etwas gesund, das regelt unser Körper in Zusammenarbeit mit unserer Seele. Wer richtig krank ist, braucht Pflege und eine Auszeit. Bis 9 Uhr sollten kranke Kinder gemeldet worden sein.

Lachen

ist gesund. Und daher freuen wir uns, wenn in unserem Kindergarten viel gelacht wird.

Matschhosen

sind wichtig und in einem Waldkinderkindergarten unerlässlich. Sie werden über die Stoffhosen gezogen und schützen vor Kälte und Feuchtigkeit, auch die Erwachsenen!

Medikamente

brauchen wir alle mal hin und wieder. Um die Medikamente der Kinder kümmern sich die Eltern.

Morgenkreis

Inzwischen ein Ritual in vielen Kitas und zuweilen auch in Schulklassen. Hier vergewissert sich die Gruppe, wer heute da ist und wer fehlt, hier werden wichtige Ereignisse oder Vorhaben besprochen, hier wird gesungen, gespielt und diskutiert.

Müll

Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht. Mancher sogenannter Müll erweist sich aber auch als echter Wertstoff. Um den herauszufiltern, sortieren wir allen sogenannten Müll. Wenn wir Müll im Wald finden, nehmen wir den mit.

Neue Eltern

bekommen Paten an die Seite, die ihnen erklären, wie das so funktioniert bei den „Waldmäusen“.

Oma & Opa

Glücklich ist, wer sie hat. Omis und Opis lernen wir gerne kennen.

Offene Arbeit

Darunter versteht man die Auflösung von traditionellen Gruppenstrukturen zugunsten einer Angebotsorientierung im Kindergarten. Das überzeugt uns für den Nachmittagsbereich, wo wir tatsächlich gruppenübergreifend arbeiten. Im Wald aber finden wir es wichtig, dass jeder eine Gruppe hat, zu der er gehört und die auf ihn aufpasst.

Pädagogen

Viele Erzieher mögen ihren Beruf, aber nicht ihre Berufsbezeichnung. Zumindest seit sich unter die staatlich anerkannten Erzieher auch immer mehr Kollegen mit anderen Berufsabschlüssen mischen, setzt sich als allgemeine Berufsbezeichnung bei den Erziehern der Begriff Pädagogen durch. Auch das neue Bildungsprogramm für Kitas und Tagespflege hat sich für die Bezeichnung PÄDAGOGEN entschieden.

Quatsch

ist fast genauso wichtig wie Lachen.

Regeln

sind allerdings noch wichtiger als Quatsch. Das leuchtet den Kindern nicht immer ein, aber jedem Pädagogen. Man hat ja nicht die Zeit, immerzu alles Mögliche immer wieder zu besprechen und neu zu entscheiden. Regeln erleichtern das Zusammenleben. Regeln können von allen gemacht werden, von Erwachsenen genauso wie von Kindern. Eine Waldregel lautet: Wir sind im Wald nur zu Gast.

Rucksack

Das ist der Sack auf dem Rücken. Gute Rucksäcke für Kinder haben Verschlüsse, die auch Kinder gut auf und zu bekommen.

Spielzeug

Wenn wir in den Wald gehen, nehmen wir kein Spielzeug mit; denn wir haben auch ohne Spielzeug schon soooo viele Spielideen. Mittwochs ist Spielzeugtag, da spielen wir im Garten und dürfen von zu Hause Spielzeug mitbringen.


Stille

Die genießen wir besonders im Wald. Ein Kinderschrei verhallt zwischen den endlos schier erscheinenden Bäumen im Gegensatz

Toilette

Wo denn unsere Toilette im Wald sei, wurden wir schon mehrfach gefragt. Unsere Antwort: Wir benutzen dieselbe Toilette wie die Tiere, die im Wald leben. Auch wir suchen uns ein passendes Örtchen, erledigen unser Geschäft in Ruhe und verbuddeln es dann.

Unfall

Natürlich haben auch wir schon Unfälle erlebt. Zum Glück nur kleine und erstaunlicherweise ganz selten im Wald. Sollten wir doch einmal Hilfe benötigen, rufen wir sofort an. Zudem lassen sich die Pädagogen regelmäßig schulen.

Verletzung

Für Verletzungen haben wir immer ein Erste-Hilfe-Set dabei.

Versicherung

Alle Kinder, alle Mitarbeiter und alle bei uns ehrenamtlich Helfenden sind über die Unfallversicherung der Stadt Berlin versichert. Auch die Eltern, wenn sie uns helfen.

Wasserkanister

Den haben wir auf alle Fälle dabei, wenn wir im Wald frühstücken; denn vorher waschen wir uns immer die Hände.

Wechselkleidung

ist wichtig und daher immer in einem Beutel oder Sack auf dem Bollerwagen.

…ungelöst

Nur absolut selten sind Kinder bei uns verschwunden und nicht mehr wieder aufgetaucht. Kleiner Scherz. Ich wollte sagen: Fast alles verloren Gegangene wurde später wieder gefunden.

Zecken

mögen unserer Erfahrung nach einige Menschen mehr und andere gar nicht. Wir erwehren uns dieser Biester durch lange Ärmel, Hosen und Hüte, und zusätzlich durch Einreibungen. Es ist auch wichtig, sich regelmäßig abends abzusuchen. Wenn wir eine Zecke finden und entfernen konnten, kleben wir sie mit Tesa auf ein Papier. So hat man die Möglichkeit, sie später untersuchen zu lassen. Es wird auch empfohlen, bei jedem Kind oder Erwachsenen Zeckenbisse mit Datum und Bissstelle zu dokumentieren.

Zwiebellook

nennt sie die Art der Kleidung, bei der man sich leicht durch An- oder Ausziehen einer „Schicht“ den Temperaturveränderungen anpassen kann. Morgens ist es oftmals kühler als mittags… weiß ja im Grunde jedes Kind!


Zukunft

Wir glauben, dass es mit Leichtigkeit noch weitere 10 Jahre oder mehr die „Waldmäuse“ geben wird. Vorausgesetzt, der Wald bleibt uns erhalten. Aber davon gehen wir aus.

An diesem Konzept haben mitgewirkt:

Rita Mayer, Patsy Flock, Chantal Wilke, Julia Semrau, Jenny Kumbier, Doris Türke, Roger Büttner und Alfred Cybulska.

© Waldmäuse e.V., Pädagogisches Konzept, Stand: 2016